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Mit Staatsmedaille und WHO-Botschaft:

AirMed World Congress 2026 in München feierlich eröffnet

Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann würdigt Bedeutung der Luftrettung

Mit einem feierlichen Eröffnungsabend ist gestern der AirMed World Congress 2026 in München gestartet. Veranstaltet wird der Kongress von der gemeinnützigen ADAC Luftrettung gemeinsam mit dem European HEMS and Air Ambulance Committee (EHAC). Das Forum bringt rund 800 Teilnehmende aus 40 Ländern aus den Bereichen Luftfahrt, Medizin, Management, Behörden und Industrie zusammen. Bei der Eröffnung im vollbesetzten Hofbräuhaus vor Fachleuten aus aller Welt würdigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann die Luftrettung als unverzichtbaren Bestandteil einer flächendeckenden, schnellen Notfallversorgung. Dr. Tedros, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sprach in einer Videobotschaft seine Anerkennung für die Arbeit der globalen Luftrettungs- und Ambulanzfluggemeinschaft aus. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Auszeichnung von Dr. Erwin Stolpe, einem Pionier der Luftrettung in Deutschland. Er erhielt für seine herausragenden Verdienste um die Notfallversorgung den „Stern der Sicherheit“, die Bayerische Staatsmedaille für Innere Sicherheit. Zudem blickte das EHAC auf sein 25-jähriges Jubiläum.

Anerkennung aus Politik für besondere Gemeinschaftsleistung

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann unterstrich in seiner Rede die besondere Bedeutung einer leistungsfähigen Luftrettung für die medizinische Versorgung der Bevölkerung: „Die Luftrettung ist aus der modernen Notfallversorgung nicht mehr wegzudenken. Sie bringt schnelle und hochqualifizierte medizinische Hilfe, auch in unwegsamem Gelände und unter schwierigen Einsatzbedingungen. Sie ist auch immer eine Gemeinschaftsleistung, für die es eine offene Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und die Fähigkeit, auch unter hohem Zeitdruck gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen braucht.“

Zum Stellenwert des Kongresses sagte der Innenminister: „Die Weiterentwicklung der Luftrettung betrifft gleichermaßen Fragen der Organisation, der Verantwortungsstrukturen und der öffentlichen Sicherheit. All diese Aspekte lassen sich nur gemeinsam und im europäischen Verbund erfolgreich gestalten. Genau diesem wichtigen Austausch widmet sich der AirMed World Congress.“

Mit Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, dem Generaldirektor der WHO, meldete sich eine besondere globale Stimme der Gesundheit zu Wort. In seiner Videobotschaft erklärte er, Notfälle und Katastrophen machten vor Grenzen keinen Halt. Jeder Mensch verdiene es, eine qualitativ hochwertige Notfallversorgung zu erhalten. Genau dort könne Luftrettung den entscheidenden Unterschied zwischen Leben und Tod machen.

München – bedeutender Standort der Luftrettung

Der AirMed World Congress kommt nach 46 Jahren an seinen Ursprungsort zurück. Die internationale Fachveranstaltung wurde 1980 in München gegründet. Die gemeinnützige ADAC Luftrettung gehört zu den Gründungsinitiatoren. Zugleich steht die bayerische Landeshauptstadt wie kaum ein anderer Ort für die Entwicklung der Luftrettung in Deutschland. Am 1. November 1970 wurde in München-Harlaching mit „Christoph 1“ der erste zivile, dauerhaft betriebene Rettungshubschrauber Deutschlands in Dienst gestellt. Im vergangenen Jahr wurde in Oberpfaffenhofen, vor den Toren Münchens, der hochmoderne ADAC Luftrettung Campus eingeweiht. Es ist das internationale Kompetenzzentrum zur Weiterentwicklung des Rettungsdienstes.

„Über 1,3 Millionen HEMS-Einsätze und unsere langjährige Erfahrung in der Luftrettung bilden die Grundlage, auf der wir aeromedizinische Expertinnen und Experten aus aller Welt wieder in München, am Geburtstort der AirMed, begrüßen. Wir wollen hier gemeinsam die Zukunft der luftgestützten Patientenversorgung gestalten, Innovationen fördern und mithilfe internationaler Expertise die Zusammenarbeit in diesem zentralen Bereich der Daseinsvorsorge stärken“, sagte Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH.

Dr. Erwin Stolpe erhält „Stern der Sicherheit“

Für die jahrzehntelange hochprofessionelle Weiterentwicklung der Luftrettung steht stellvertretend Dr. Erwin Stolpe. Der Unfallchirurg war unter anderem Leitender Notarzt des Rettungshubschraubers „Christoph 1“, Medical Director der ADAC Luftrettung und Berater von notfallmedizinischen Organisationen und Unternehmen im In- und Ausland. Beispielsweise wurde auf seine Initiative hin die erste speziell patientenorientierte Kabinenausstattung eines Rettungshubschraubers entwickelt. Zudem war er federführend an der Einführung der Rettungswinde beteiligt. Sein Leitsatz „Exzellente Patientenversorgung bei höchster Flugsicherheit“ gilt für die ADAC Luftrettung bis heute.

Für seinen außergewöhnlichen Einsatz wurde Dr. Erwin Stolpe von Innenminister Joachim Herrmann unter großem Beifall der „Stern der Sicherheit“ verliehen. Die Auszeichnung des Bayerischen Innenministeriums gibt es seit 2013. Damit würdigt der Freistaat herausragende und langjährige Verdienste um die Innere Sicherheit.

Auch Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, würdigte das Wirken Stolpes: „Seine Weitsicht und seine Visionen waren entscheidend für die Entwicklung der schnellen Hilfe aus der Luft. Mit der Einführung neuer internationaler medizinischer Standards sowie der Etablierung wissenschaftlich gestützter, faktenbasierter Rettungsmedizin hat er die europäische Luftrettung maßgeblich beeinflusst. Ohne ihn wäre insbesondere die ADAC Luftrettung nicht das, was sie heute ist: eine sehr erfolgreiche Organisation.“

25 Jahre EHAC

Menschen den Zugang zu hochqualifizierter Notfallmedizin bei größtmöglicher Flugsicherheit zu ermöglichen, ist auch für das EHAC ein zentrales Anliegen. EHAC vertritt die Interessen europäischer Luftrettungsorganisationen und engagiert sich für die Weiterentwicklung gemeinsamer Sicherheits-, Qualitäts- und Betriebsstandards in der Luftrettung. Die Mitglieder des EHAC kommen aus insgesamt 18 Ländern und blicken auf das 25-jährige Bestehen zurück. Der AirMed World Congress 2026 steht damit auch im Zeichen der europäischen Zusammenarbeit in der Luftrettung und im Ambulanzflug.

„Der AirMed World Congress 2026 ist für die internationale Luftrettung wichtig, weil die komplexen Herausforderungen nur durch eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche und Kompetenzfelder bewältigt werden können“, sagte Stefan Becker, Präsident des EHAC. Dies spiegele sich auch im diesjährigen Motto „Beyond Boundaries: Cross Competence Enhancement of Aeromedical Services“ wider. „Wir müssen uns weiter vom Silodenken entfernen und über die Grenzen von Fachrichtungen, Ländern und letztlich auch Regularien hinweg denken und agieren. Dafür setzt sich EHAC seit 25 Jahren ein – und wird dies auch künftig mit voller Kraft tun“, so Becker.

ADAC Luftrettung zur Notfallreform: Verlässliche Finanzierung und Mitsprache sichern

Notfallreform große Chance für eine zukunftsfeste Versorgung

Die ADAC Luftrettung trägt zentrale Elemente des Gesetzentwurfs zur Reform der Notfallversorgung mit: So seien eine bessere Patientensteuerung, die stärkere Vernetzung der Akteure und die Verankerung der medizinischen Notfallrettung im SGB V wichtige Schritte für eine moderne Notfallversorgung, erklärt die gemeinnützige Rettungsdienstorganisation vor der Anhörung zur Reform der Notfallversorgung im Deutschen Bundestag am Mittwoch, 9.September. Nicht übersehen werden darf jedoch, dass die Bedeutung der Luftrettung durch die Krankenhausreform weiter steigen wird: Längere Transportwege und die Konzentration medizinischer Leistungen auf spezialisierte Standorte werden insbesondere in ländlichen Regionen den Bedarf an schneller und hochqualifizierter Luftrettung erhöhen.

Umso wichtiger sei es, beide Reformen deshalb zusammen zu denken. Wer die Luftrettung künftig stärker für die Notfallversorgung braucht, muss ihre besonderen Strukturen berücksichtigen, ihre Mitsprache sichern und eine auskömmliche Finanzierung gewährleisten.

Besonders kritisch sieht die ADAC Luftrettung vor diesem Hintergrund die geplante Bindung der Vergütungsentwicklung an die Grundlohnsumme. Sie bildet die tatsächliche Kostenentwicklung der Luftrettung nicht ab. Gleichzeitig steigen die Kosten unter anderem durch Tarife, Energiepreise, technische und luftfahrtrechtliche Vorgaben sowie Investitionen in Luftfahrzeuge, Medizintechnik und Infrastruktur.

Anders als bei vielen anderen Leistungen müssen Personal, Luftfahrzeuge, Technik und Stationen unabhängig von der Zahl der Einsätze jederzeit einsatzbereit sein. Die Luftrettung ist damit eine dauerhaft vorzuhaltende Infrastruktur mit hohen Fixkosten und besonderen Anforderungen an Sicherheit und Patientenschutz. Die ADAC Luftrettung fordert deshalb eine gesetzliche Öffnungsklausel in § 133 SGB V, die eine auskömmliche und kostendeckende Finanzierung ermöglicht. Nur so lässt sich die Leistungsfähigkeit der Luftrettung langfristig sichern – insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen.

Das geplante Fachgremium für die medizinische Notfallrettung soll künftig bundesweite Rahmenempfehlungen entwickeln. Die ADAC Luftrettung begrüßt das grundsätzlich. In der vorgesehenen Zusammensetzung ist die Luftrettung bislang jedoch nicht angemessen berücksichtigt. Als hochspezialisierter Bereich der Notfallrettung hat sie besondere medizinische, technische und luftfahrtrechtliche Anforderungen. Diese müssen unmittelbar in die Entwicklung bundesweiter Standards einfließen. Die ADAC Luftrettung fordert deshalb einen eigenen stimmberechtigten Sitz im Fachgremium. Neue Standards müssen zudem die hohe Versorgungsqualität sichern und die mit ihrer Umsetzung verbundenen Kosten berücksichtigen.

 Die ADAC Luftrettung begrüßt, dass die medizinische Notfallrettung künftig als eigenständiger Leistungsbereich im SGB V verankert und die bisherige transportabhängige Vergütung abgelöst werden soll. Auch die geplante Vergütung einzelner Leistungen ist grundsätzlich sachgerecht.

Besonderheiten der Luftrettung müssen im Gesetz berücksichtigt werden

Damit die Reform ihr Ziel erreicht, müssen jedoch die besonderen Leistungen und Kosten der Luftrettung im Gesetz ausdrücklich berücksichtigt werden. Dazu gehören die medizinische Versorgung und der Transport durch hochqualifizierte Einsatzteams, spezialisierte Einsätze etwa für Organ-, Blut- und Medikamententransporte, die ständige Vorhaltung von Luftfahrzeugen und Personal sowie Einsätze, die ohne Patientenkontakt enden. Darüber hinaus leistet die Luftrettung einen wichtigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz und zur Krisenvorsorge, etwa bei Großschadenslagen und Naturkatastrophen. Auch diese Aufgaben müssen bei der künftigen Ausgestaltung der Notfallversorgung angemessen berücksichtigt werden.

„Die Notfallreform ist eine große Chance für eine zukunftsfeste Versorgung. Gleichzeitig wird die Luftrettung durch die Neuordnung der Krankenhauslandschaft künftig noch wichtiger. Wer mehr Verantwortung auf die Luftrettung überträgt, muss auch für eine verlässliche Finanzierung sorgen und ihre Expertise einbeziehen, wenn bundesweite Standards festgelegt werden. Beides gehört zusammen“, sagt Frédéric Bruder, Vorsitzender der Geschäftsführung der ADAC Luftrettung.

Die ADAC Luftrettung ist seit mehr als 55 Jahren im öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst tätig. Insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil der flächendeckenden Notfallversorgung.

08.09.2026

Notfallreform: Rettungsdienst braucht verlässliche Finanzierung und echte Mitsprache

Die anerkannten Hilfs- und beauftragten Luftrettungsorganisationen und die Feuerwehren sichern nahezu 100 Prozent der medizinischen Notfallrettung in Deutschland ab – sie fordern gemeinsam von der Bundespolitik Korrekturen am Gesetzentwurf.

Vor der Anhörung zur Reform der Notfallversorgung im Deutschen Bundestag am Mittwoch, 9. September, fordern die großen gemeinnützigen Leistungserbringer im Rettungsdienst eine verlässliche Finanzierung des Rettungsdienstes und eine angemessene, stimmberechtigte Beteiligung derjenigen, die die Notfallversorgung täglich sicherstellen. ADAC Luftrettung, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutscher Feuerwehrverband (DFV) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF), Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), DRF Luftrettung, Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) mit Johanniter Luftrettung und Malteser Hilfsdienst (MHD) begrüßen
die geplante Reform grundsätzlich. Sie sehen in den beiden Punkten zentrale Voraussetzungen für deren Erfolg.

Die Reform der Notfallversorgung kann nur gelingen, wenn der Rettungsdienst auch künftig zuverlässig finanziert ist und diejenigen mitentscheiden, die die Notfallversorgung täglich sicherstellen. Nur so können wir einen Rettungsdienst gewährleisten, der jederzeit einsatzbereit ist, höchste Qualitätsstandards erfüllt und ausreichend Fachkräfte gewinnt, erklären die acht Organisationen gemeinsam.

Rettungsdienst braucht Finanzierungssicherheit

Der Rettungsdienst muss rund um die Uhr einsatzbereit sein – unabhängig davon, wie viele Einsätze tatsächlich anfallen. Seine Kosten werden dabei wesentlich durch Faktoren bestimmt, die die Leistungserbringer nur begrenzt beeinflussen können. Dazu gehören die Entwicklung von Tariflöhnen und Personalkosten, die angespannte Fachkräftesituation, steigende Kosten für Fahrzeuge und Medizintechnik sowie zunehmende Anforderungen an
Qualität, Sicherheit und technische Ausstattung. Die Organisationen unterstützen deshalb ausdrücklich das Ziel, die Notfallversorgung effizienter und effektiver zu vernetzen. Eine auskömmliche Finanzierung der notwendigen Strukturen muss dabei zwingend gewährleistet sein. Effizienz darf nicht mit Einsparung gleichgesetzt werden. Werden notwendige Personal-, Vorhalte-, Betriebs-, Ausbildungs- und Investitionskosten nicht verlässlich refinanziert, drohen Einschränkungen bei Verfügbarkeit, Qualität und Innovation.

Im Schulterschluss fordern die acht Organisationen deshalb klare gesetzliche Finanzierungsregelungen, die den besonderen Anforderungen der Notfallrettung Rechnung tragen. Insbesondere darf die Vergütung nicht starr gedeckelt sein.

Wer den Rettungsdienst sicherstellt, muss mitentscheiden

Die geplante Reform sieht mit dem Fachgremium medizinische Notfallrettung (§ 133b SGB V) erstmals ein bundesweites Gremium vor, das künftig unter anderem Rahmenempfehlungen für die Notfallrettung entwickeln soll. Die Organisationen begrüßen eine stärkere bundesweite Vernetzung und einheitliche Qualitätsstandards grundsätzlich.

Daher muss sich die Zusammensetzung des Gremiums an der tatsächlichen Verantwortung im Rettungsdienst orientieren. Die anerkannten Hilfs- sowie beauftragten Luftrettungsorganisationen und die Feuerwehren, die gemeinsam annähernd 100 Prozent der Notfallrettung in Deutschland sicherstellen, dürfen nicht lediglich angehört werden, sondern müssen mit eigenen, stimmberechtigten Sitzen vertreten sein: Wer Standards für den Rettungsdienst setzt, muss die Perspektive derjenigen einbeziehen, die diese Standards in der Praxis umsetzen.

Reform gemeinsam weiterentwickeln

Die unterzeichnenden Organisationen sehen in der Notfallreform eine Chance, die notfallmedizinische Versorgung in Deutschland weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine bessere Patientensteuerung, moderne und vernetzte Leitstellen, eine bedarfsgerechte Disposition von Rettungsmitteln und der Abbau unnötiger Bürokratie.

Die Reform muss aus Sicht der Organisationen jedoch an der Realität der täglichen Versorgung ansetzen. Rettungsdienst und Luftrettung sind zentrale Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie müssen zuverlässig finanziert und an den Entscheidungen über ihre Weiterentwicklung angemessen beteiligt werden.

ADAC Luftrettung, ASB, DFV gemeinsam mit AGBF, DLRG, DRK, DRF Luftrettung, JUH mit Johanniter Luftrettung und MHD bieten dem Gesetzgeber deshalb ihre fachliche Expertise für das weitere Gesetzgebungsverfahren an. Ziel muss ein Rettungsdienst sein, der auch künftig schnell, flächendeckend, qualitätsgesichert und rund um die Uhr für die Bevölkerung verfügbar ist.

10.08.2026

Erste nachhaltige Luftrettungsstation eingeweiht

Die gemeinnützige ADAC Luftrettung hat im rheinland-pfälzischen Rockenhausen/Dörnbach die erste nachhaltige Luftrettungsstation gebaut und erfolgreich in Betrieb genommen. Am heutigen Montag wurde die neue Heimat des ADAC Rettungshubschraubers „Christoph 66“ feierlich eingeweiht – im Beisein von Staatssekretär Dirk Herber aus dem Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr, sowie Landrat Rainer Guth und Stadtbürgermeister Michael Vettermann. Mit dem Neubau, der wegen seiner effizienten Energienutzung und Ressourcenschonung von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert und prämiert wurde, ist die Versorgung mit schneller Hilfe aus der Luft bis ins Jahr 2048 gesichert – für die Menschen in der Region und darüber hinaus.

Die Finanzierung solcher Projekte wird für gemeinnützige Organisationen wie die ADAC Luftrettung indes immer schwieriger, kritisierte Geschäftsführer Frédéric Bruder. Der Sparkurs des Bundesgesundheitsministeriums mit einem starren Kostendeckel sorge für eine dauerhafte Unterfinanzierung der Luftrettung und gefährde so die Notfallversorgung insgesamt. „Wir erwarten, dass der Gesetzgeber bei der Reform der Notfallversorgung im Herbst eine Öffnungsklausel für die medizinische Notfallrettung schafft“, forderte Bruder.

Vorgaben und Standortfaktoren konsequent einbezogen

Planung und Umsetzung des Neubaus in Dörnbach waren fester Bestandteil einer europaweiten Ausschreibung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums für den Luftrettungsstandort Westpfalz im Juni 2022, die ein Nachhaltigkeits- und energetisches Konzept vorschrieb. Mit einer Stationierung über einen Zeitraum von 25 Jahren handelte es sich insgesamt um eine der bundesweit größten Vergaben im Luftrettungsdienst. Die ADAC Luftrettung überzeugte das Gremium mit ihrem Konzept und setzte das schlüsselfertige Projekt in weniger als zwei Jahren um. Dabei wurde eng mit lokalen Partnern zusammengearbeitet, es wurden Bauunternehmen aus der Region beauftragt und Empfehlungen der örtlichen Feuerwehr im Brandschutzkonzept berücksichtigt.

Die Finanzierung solcher Projekte wird für gemeinnützige Organisationen wie die ADAC Luftrettung indes immer schwieriger, kritisierte Geschäftsführer Frédéric Bruder. Der Sparkurs des Bundesgesundheitsministeriums mit einem starren Kostendeckel sorge für eine dauerhafte Unterfinanzierung der Luftrettung und gefährde so die Notfallversorgung insgesamt. „Wir erwarten, dass der Gesetzgeber bei der Reform der Notfallversorgung im Herbst eine Öffnungsklausel für die medizinische Notfallrettung schafft“, forderte Bruder.

Nachhaltigkeitskonzept

Ein Gründach schützt vor extremen Temperaturen und sorgt mit einem Regenwassertank für schonenden Wasserverbrauch. Beheizt wird das Gebäude über eine Wärmepumpe mit geothermischer Unterstützung. Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher ermöglicht eine Eigenstromversorgung von bis zu 75 Prozent. Bei einem Stromausfall kann die Station mit eigenen Aggregaten weiterbetrieben werden. All das macht die Station – zusammen mit Ausgleichmaßnahmen wie großzügigen Brachflächen und Streuobstwiesen – zu einem Vorreiterprojekt für eine effiziente Energienutzung und Ressourcenschonung.

Mit dem neuen Luftrettungsstandort wertet die ADAC Luftrettung die regionale Rettungsdienstinfrastruktur entscheidend auf. „Christoph 66“ ist der einzige notarztbesetzte Rettungshubschrauber mit Rettungswinde in Rheinland-Pfalz und besonders im ländlichen Raum oft das einzige Rettungsmittel, das Menschen in Notsituationen eine Notärztin oder -arzt zuführen und wenn nötig in ein Krankenhaus bringen kann.

Crew und Einsatzgebiet

In Dörnbach sind drei Piloten der ADAC Luftrettung und ebenso viele Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation Winde (TC HHO) beschäftigt. 15 Notärztinnen und -ärzte von der Uniklinik Homburg und dem Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern komplettieren den Personalstamm. Das Einsatzgebiet umfasst die Stadt und den Landkreis Kaiserlautern, die Landkreise Kusel und Birkenfeld sowie den Donnersbergkreis. Für Patientenverlegungen wird der Helikopter in ganz Rheinland-Pfalz eingesetzt. Außerdem fungiert er als offizieller Intensivtransporthubschrauber des Saarlandes.

Der tägliche Rettungsbetrieb beginnt mit Sonnenaufgang (frühestens 7 Uhr) und dauert bis zum Sonnenuntergang. Alarmiert wird „Christoph 66“ von der Rettungsleitstelle Kaiserslautern.  Der hochmoderne Hubschrauber des Typs H145 ist der leiseste seiner Leistungsklasse. Bei Bedarf könnte „Christoph 66“ in Zukunft auch in der Dämmerung oder Dunkelheit Einsätze übernehmen.  Im vergangenen Jahr wurden die Crews 1530-mal alarmiert, 112 davon waren Einsätze mit der Rettungswinde. Seit seiner Stationierung in der Westpfalz im Jahr 2019 – zunächst in Eßweiler im Landkreis Kusel und ab 2021 in Imsweiler im Donnersbergkreis, flog der ADAC Rettungshubschrauber mehr als 11.000 Einsätze.

15.07.2026

AirMed World Congress: Zwischen Krisen, Katastrophen & Kostendruck

Rund 800 Fachleute aus aller Welt treffen sich vom 16. bis 18. September 2026 in München zum AirMed World Congress. Eine der zentralen Fragen des weltweit führenden Forums für Luftrettung und Ambulanzflug lautet angesichts einer verschärften sicherheits- und geopolitischen Lage, einer wachsenden Zahl von Katastrophen und finanziellem Druck auf Luftrettungssysteme: Wie gelingt schnelle Hilfe aus der Luft auch unter Extrembedingungen? Veranstalter sind die gemeinnützige ADAC Luftrettung und das European HEMS and Air Ambulance Committee (EHAC). Expertinnen und Experten aus Flugbetrieb, Medizin, Management und Industrie kommen an zwei Veranstaltungsorten zusammen, um ihr Wissen fächerübergreifend zu erweitern.

Um Antworten auf diese Herausforderungen zu finden, bietet der AirMed World Congress 2026 drei Tage lang über 160 Plenarvorträge, 85 praxisnahe Workshops und 15 Panel-Diskussionen. Die Themen sind unter anderem Krisenmanagement, Versorgung bei Großschadenslagen, Ausbildung, Standortplanung, Crewkonzepte, Disposition und Qualitätsmanagement. Statt ein einheitliches Modell vorzugeben, zeigt der Kongress unterschiedliche Wege zu mehr Zuverlässigkeit, klareren Abläufen und höherer Patientensicherheit. Die Teilnehmenden nehmen konkrete Ansätze mit – für den Ausbau bestehender Systeme oder den Aufbau neuer Strukturen.

ADAC Luftrettung und Klinikteam schieben Patienten auf Trage über Landeplatz zur Versorgung.

Eine Besonderheit der diesjährigen Ausgabe: Es gibt zwei Veranstaltungsorte. Im BERGSON Kunstkraftwerk in München stehen Fachvorträge und Diskussionsformate im Vordergrund, hier werden Analyse, Reflexion und fachliche Debatte gebündelt. Am zweiten Kongressstandort, dem neu eröffneten ADAC Luftrettung Campus in Oberpfaffenhofen bei München, rückt hingegen die praktische Anwendung in den Fokus. Die dort vorhandene, in Europa einzigartige Infrastruktur ermöglicht realitätsnahe Simulationen von Notfalleinsätzen sowie spezialisierte Trainingsszenarien. Diese Kombination aus Theorie und Praxis gewinnt durch die außergewöhnlich internationale Referentenbesetzung zusätzliche Tiefe: Rund 120 Expertinnen und Experten reisen aus Asien, Nord- und Südamerika, Europa, Afrika und Ozeanien an.

„Bei der Gestaltung des AirMed 2026 Programms war uns eines besonders wichtig“, sagt Jens Schwietring, Leiter Medizin der ADAC Luftrettung und Mitglied des Programmkomitees: „Globale Herausforderungen im Gesundheitswesen erfordern eine effiziente Luftrettung, die Wissen und Praxis zusammenbringt – international vernetzt, an verschiedene Bedürfnisse angepasst und geeint in einem Ziel: die bestmögliche Patientenversorgung.“

Konkrete Beispiele aus Hochrisiko- und ressourcenarmen Regionen machen die theoretischen Konzepte greifbar. Ein Vortrag zu „Preparedness and Control in Disaster Management“ mit Dr. Tal-Or, Direktor des Helmsey Institute for Simulation am Zefat Academic College, greift reale Einsätze in Hochrisiko- und ressourcenarmen Umgebungen auf. Klare Strukturen, gute Vorbereitung und flexible Entscheidungen sichern Patienten und Crews, auch wenn Teile der Infrastruktur ausfallen, und lassen sich in den Alltag der Luftrettung übertragen. Dr. Tal-Or ist nationaler Experte für Katastrophenvorsorge und Großschadenslagen-Planung beim israelischen Gesundheitsministerium, einschließlich CBRNe- und Erdbebenszenarien. Er verbindet diese Systemperspektive mit Führungsverantwortung in Notaufnahmen und langjähriger Einsatzerfahrung an vorderster Front in der Elite-Hubschrauber-Such- und Rettungseinheit 669 der israelischen Luftwaffe.

Der Themenblock zu Katastrophen- und Krisenmanagement spannt den Bogen von der HEMS-Versorgung (Helicopter Emergency Medical Services) nach schweren Erdbeben, basierend auf Erfahrungen aus Japan, über ein deutsches Multi-Operatoren-Konzept der Polizei zur strukturierten Luftunterstützung in Katastrophenszenarien bis hin zu einem operativen Fallbeispiel zur Brandkatastrophe in Crans-Montana. Abgerundet wird der Programmbereich durch ein Panel zu der Frage „How to communicate when everything is broken?“, in dem über Kommunikationswege und -mittel unter Extrembedingungen diskutiert wird.

Der praktischen Anwendung von Erkenntnissen kommt während der AirMed 2026 eine besondere Bedeutung zu, auch räumlich. Am Campus der ADAC Luftrettung in Oberpfaffenhofen trainieren die Teilnehmenden im Simulator, absolvieren CRM-Einheiten (Crew Resource Management) und üben Windenoperationen. Weitere Formate behandeln beispielsweise Konnektivität und Telemedizin, präklinischen Ultraschall oder Wartung und Instandhaltung (MRO) in HEMS. Damit wird eine große Bandbreite an wichtigen Themen der Luftrettung abgedeckt – mit dem Ziel, Know-how für Einsatz und Strategie praxisnah zu vermitteln.

Was in Vorträgen und Trainings diskutiert wird, spiegelt sich auch im Ausstellungsbereich wieder. Der AirMed World Congress 2026 versteht sich als Plattform für Unternehmen und Industriepartner. Bereits rund 50 Aussteller aus Luftfahrt und Medizintechnik haben ihre Teilnahme bestätigt. Das Spektrum der Produkte und Services reicht von Seilwinden und medizinischen Kabinenausstattungen für Helikopter und Flugzeuge bis hin zu moderner Einsatzbekleidung. Als besonderes Highlight lädt eine Exkursion zur Crashanlage des ADAC Technik Zentrums in Landsberg am Lech dazu ein, aktuelle Entwicklungen der Automobiltechnologie und deren Auswirkungen auf technische Rettung und Notfallversorgung hautnah nachzuvollziehen.

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10.07.2026

Luftrettung in Neustrelitz feiert Doppeljubiläum

30 Jahre schnelle Hilfe aus der Luft, 20 Jahre davon in gelb – an der Luftrettungsstation in Neustrelitz wurden heute gleich zwei Jubiläen gefeiert. Mit dabei beim Doppeljubiläum waren Freunde und Partner von „Christoph 48“ sowie Landrat Thomas Müller als Vertreter des zuständigen Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Sie alle fanden viel Lob und Anerkennung für die Arbeit und das große Engagement der Crew des ADAC Rettungshubschraubers. Getrübt wurde die feierliche Stimmung rund um einen großen Tag der offenen Tür der Blaulichtfamilie von der fast zeitgleichen Debatte um das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das einen starren Kostendeckel auch für die schnelle Hilfe aus der Luft enthält: Entsprechend scharf fiel die Kritik der gemeinnützigen Luftretter aus. „Die Reform sorgt für eine dauerhafte Unterfinanzierung der Luftrettung und gefährdet so die Notfallversorgung insgesamt“, warnte Geschäftsführer Frédéric Bruder.

Mehr als 32.000-mal ging es in den vergangenen drei Jahrzehnten von Neustrelitz aus in die Luft. „Hinter jedem Rettungseinsatz steht ein hochprofessionelles Team, das für Menschen in Not einsatzbereit ist. Die Luftrettung ist Teil der kritischen Gesundheitsinfrastruktur. Ihre Leistungsfähigkeit hängt davon ab, dass Personal, Technik und Standorte dauerhaft zuverlässig finanziert werden können. Wir erwarten, dass der Gesetzgeber bei der im Herbst anstehenden Reform der Notfallversorgung eine Öffnungsklausel für die medizinische Notfallrettung schafft“, forderte Geschäftsführer Bruder.

SAR 93, wie der Hubschrauber anfangs hieß, war bereits drei Jahre in der Landeshauptstadt Schwerin stationiert, bevor er 1996 nach Neustrelitz verlegt wurde. Dort flog der Helikopter des Typs Bell UH-1D rund 8.200 Einsätze – bis die Bundeswehr/Luftwaffe im Sommer 2006 den letzten zivilen Luftrettungsstandort in Deutschland an die gemeinnützige ADAC Luftrettung übergab. Seither heißt der Hubschrauber „Christoph 48“ und ist gelb – und die Maschine des Typs EC 135 von Airbus Helicopters moderner, schneller, sicherer und leiser als ihr Vorgänger.

Der an der DRK Rettungswache Nord stationierte ADAC Rettungshubschrauber wird heute im Durchschnitt drei bis vier Mal am Tag von der Integrierten Leitstelle Mecklenburgische Seenplatte alarmiert. In Mecklenburg-Vorpommern, dem am dünnsten besiedelten Bundesland, ist die Luftrettung schon heute ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Rettungswesens – und wird mit Blick auf die Krankenhausreform und den demographischen Wandel in Zukunft noch wichtiger werden. Oft ist der Hubschrauber das schnellste und häufig das einzig verfügbare Rettungsmittel. Rund zwei Minuten braucht die Crew bis zum Start. Überfüllte Straßen oder zeitraubende Umwege sind dabei kein Hindernis.

Im vergangenen Jahr wurde „Christoph 48“ zu 1099 Einsätzen gerufen. Der Einsatzradius liegt bei rund 70 Kilometern, Haupteinsatzgebiet ist die Mecklenburgische Seenplatte. Einsatzgrund Nummer eins waren mit 38 Prozent Notfälle des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen, gefolgt von Verletzungen nach Unfällen mit 24 Prozent.

Die ADAC Luftrettung stellt in Neustrelitz die Piloten und die Maschine. Die Notärztinnen und Notärzte kommen vom DRK Krankenhaus Mecklenburg-Strelitz,
die Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (TC HEMS) vom DRK Kreisverband Mecklenburg Seenplatte. Geleitet wird die Station in Neustrelitz neu von Pilot Nico Hellmann, der den langjährigen Stationsleiter Steffen Arnold-Batschke abgelöst hat. Ärztlicher Leiter ist Notarzt Dr. Roland Kersten, Leitender Notfallsanitäter (TC HEMS) Maik Schuppenhauer. Insgesamt besteht das Team aus 21 Personen.

Um die notfallmedizinische Versorgung aus der Luft in Deutschland sicherzustellen, arbeiten für die ADAC Luftrettung gGmbH und deren Tochterunternehmen bundesweit mehr als 1500 Menschen – darunter rund 180 Piloten und Pilotinnen, rund 670 Notärzte und Notärztinnen, 245 Notfallsanitäter und Notfallsanitäterinnen (TC HEMS) und mehr als 200 Mitarbeitende aus Technik und Wartung.

Pressemitteilung

Appell der Hilfsorganisationen zur Sicherung notfallmedizinischer Versorgung

Rettungsdienst sicherstellen und nachhaltig finanzieren

Die gemeinnützigen Organisationen des bodengebundenen Rettungsdienstes und der Luftrettung in Deutschland warnen vor gravierenden Folgen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes für die notfallmedizinische Versorgung. ADAC Luftrettung, Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, DRF Luftrettung, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe mit Johanniter Luftrettung sowie Malteser Hilfsdienst fordern gemeinsam eine ausdrückliche Öffnungsklausel in § 133 SGB V für Leistungen der medizinischen Notfallrettung.

Die Hilfsorganisationen unterstützen das Ziel der Bundesregierung, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren und Beitragssatzsteigerungen zu begrenzen. Der vorliegende Gesetzentwurf berücksichtigt nach ihrer Einschätzung jedoch die besonderen Anforderungen des Rettungsdienstes am Boden und in der Luft nicht ausreichend.

Die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung ist ein wichtiges Ziel. Sie darf jedoch nicht zulasten der notfallmedizinischen Versorgung gehen. Die Notfallrettung ist Teil der Daseinsvorsorge und damit nicht mit anderen Bereichen des Gesundheitswesens vergleichbar. Der Rettungsdienst ist maßgeblich von exogenen Kosten geprägt. Hinzu kommt eine fortwährend angespannte Fachkräftesituation, die sich ausschließlich durch attraktive Arbeitsbedingungen und eine tarifliche, leistungsgerechte Vergütung lösen lässt. Der Rettungsdienst einschließlich der Luftrettung benötigt daher eine verlässliche und kostendeckende Finanzierung, die ihrer besonderen Aufgabe und Kostenstruktur Rechnung trägt.

Eine starre Bindung an die nicht absehbare Entwicklung der Grundlohnrate ist ein ungeeignetes Instrument zur Refinanzierung des Rettungsdienstes einschließlich der Luftrettung. So wird die Versorgungsqualität nicht verbessert. Es drohen Einschränkungen bei Investitionen, Innovationen und der langfristigen Gewährleistung der uneingeschränkten Einsatzbereitschaft. „Wer eine schnelle und qualitativ hochwertige Notfallversorgung für die Bürgerinnen und Bürger erhalten will, darf die Refinanzierung des Rettungsdienstes deshalb nicht unter eine starre Kostenbremse stellen“, erklären die gemeinnützigen Leistungserbringer im Rettungsdienst gemeinsam.

Die vorgesehene Begrenzung der Vergütungsentwicklung auf die Grundlohnrate sowie zusätzliche Abschläge in den Jahren 2027 bis 2029 werden der tatsächlichen Kostenentwicklung im Rettungswesen nicht gerecht. Kostensteigerungen bei Personal (Luft-)Fahrzeugen, Medizintechnik, Energie, Kraftstoffen und gesetzlichen Anforderungen entwickeln sich weitgehend unabhängig von der allgemeinen Lohnentwicklung und können von den Leistungserbringern nicht beeinflusst werden. Anders als in vielen anderen Leistungsbereichen der GKV bestehen jedoch keine weiteren Möglichkeiten, Kostensteigerungen durch Effizienzsteigerungen aufzufangen.

Auch die vom Bundesministerium vorgesehene Ausnahmeregelung in § 133 Absatz 1 Satz 1 SGB V greift aus Sicht der Hilfsorganisationen zu kurz. Sie erfasst den tatsächlichen Bedarf in der Rettungsdienstpraxis unzureichend. Außerdem setzt das Bundesverfassungsgericht in seiner ständigen Rechtsprechung zum Rettungsdienst der Ausgestaltung enge Grenzen. Eine Ausnahme darf nicht erst dann greifen, wenn eine konkrete Gefährdung der Versorgung bereits eingetreten ist oder nachgewiesen werden muss. Vielmehr bedarf es einer verlässlichen Planungs- und Investitionssicherheit für die Infrastruktur des Rettungsdienstes, der rund um die Uhr einsatzbereit sein muss.

Die Hilfsorganisationen fordern daher nachdrücklich eine ausdrückliche Öffnungsklausel für Leistungen der medizinischen Notfallrettung in § 133 SGB V. Diese muss sicherstellen, dass bei Vergütungsvereinbarungen die besonderen Anforderungen an Aufgaben, Einsatzbereitschaft, Personal, Technik und vor allem Sicherheit berücksichtigt werden, damit eine kostendeckende Refinanzierung möglich bleibt.

Zugleich sehen die unterzeichnenden Organisationen weiterhin Chancen, die Notfallversorgung mit Hilfe der anstehenden Notfallreform effizienter zu gestalten – etwa durch eine bessere Patientensteuerung, modernere und vernetzte Leitstellen und optimierte Disposition von Rettungsmitteln, den flexibleren und abgestuften Einsatz vorhandener Ressourcen sowie den Abbau unnötiger Bürokratie. Notwendige Effizienzmaßnahmen dürfen jedoch nicht zulasten der flächendeckenden Einsatzbereitschaft und der Qualität der Notfallversorgung gehen.

Bodengebundener Rettungsdienst und Luftrettung sind unverzichtbare Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge und keine freie Marktleistung. Mit der Krankenhausreform sowie der anstehenden Reform der Notfallversorgung hat der Gesetzgeber den Einsatz sowie die Bedeutung des Rettungsdienstes einschließlich der Luftrettung in der notfallmedizinischen Versorgung explizit erkannt und hervorgehoben.

Wer eine qualitativ hochwertige und schnelle notfallmedizinische Versorgung dauerhaft sichern will, muss daher gewährleisten, dass ihre tatsächlichen Kosten auch künftig vollständig refinanziert werden können.

Frédéric Bruder                                                           
Vorsitzender der Geschäftsführung, ADAC Luftrettung

Dr. Uwe Martin Fichtmüller
Hauptgeschäftsführer, Arbeiter-Samariter-Bund

Dr. Maik Plischke                                                         
Geschäftsführer,Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft

Dr. Krystian Pracz
Vorsitzender der Geschäftsführung, DRF Luftrettung

Christian Reuter                                                            
Generalsekretär, Deutsches Rotes Kreuz

Oliver Meermann
Mitglied des Bundesvorstandes, Johanniter-Unfall-Hilfe

Frank Weber
Geschäftsführer, Malteser Hilfsdienst

Zur Pressemitteilung

21.04.2026

Existenz der Luftrettung in Deutschland gefährdet

Die deutschen Luftrettungsorganisationen warnen vor den gravierenden Folgen des Referentenentwurfs zur GKV-Beitragsstabilisierung

Die gemeinnützigen Rettungsdienstorganisationen ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung warnen in einer gemeinsamen Presseerklärung vor schwerwiegenden Folgen für die notfallmedizinische Versorgung von Millionen von Menschen. Hintergrund ist der jetzt vorliegende Referentenentwurf zum Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sollten die geplanten Sparmaßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) in der aktuellen Form verabschiedet werden, werde der Luftrettung in Deutschland schrittweise die finanzielle Grundlage entzogen und die schnelle Hilfe aus der Luft in ihrer Existenz bedroht, schlagen die drei Rettungsdienstorganisationen besorgt Alarm.

Die Luftrettungsorganisationen bemängeln insbesondere die im Entwurf vorgesehene Orientierung an der Grundlohnrate. Diese bildet zwar die Lohnentwicklung der Gesamtwirtschaft ab, spiegelt jedoch nicht die tatsächlichen Kosten einer hochregulierten, sicherheitskritischen und permanent vorzuhaltenden Infrastruktur wie der Luftrettung wider: Der sichere Betrieb von Luftfahrzeugen setzt eine Vielzahl hochqualifizierter Fachkräfte voraus. Insbesondere Pilotinnen und Piloten sowie medizinisches Personal wie Notfallsanitäterinnen, Notfallsanitäter, Notärztinnen und Notärzte erfüllen höchstqualitative Anforderungen und müssen über jahrelange Erfahrung verfügen. Wettbewerbsfähige Vergütungen sind daher unabdingbar, um die personelle Sicherstellung der Luftrettung zu gewährleisten.

ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung sind sich einig: Die Grundlohnrate ist zwar eine elementare Stütze der Beitragsstabilität, doch werden die besonderen Bedarfe der Luftrettung im Referentenentwurf nicht ausreichend berücksichtigt. Luftrettung ist eine unverzichtbare Säule im Rettungswesen, Kalkulationen und Verträge in diesem elementaren Bereich der Notfallrettung sind langfristig angelegt. Hubschrauber unterliegen einer Abschreibungszeit von rund 20 Jahren. Eine Deckelung an unbestimmte Grundlohnraten untergräbt die Finanzierungskontinuität und gefährdet die wirtschaftliche Planungssicherheit.

Besonders kritisch in diesem Zusammenhang bewerten die drei Organisationen die geplante zusätzliche einprozentige Absenkung der Kostensteigerungsmöglichkeit unterhalb der Grundlohnrate für die Jahre 2027 bis 2029. Bereits die Begrenzung auf die Grundlohnrate reiche nicht aus, um eine auskömmliche Finanzierung sicherzustellen – eine weitere Minderung mache eine wirtschaftliche Sicherung der Luftrettung unmöglich.

Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht, erklärten die Organisationen. In der Realität entscheide eine gut funktionierende Luftrettung zwischen Überleben und Nicht-Überleben. Sie leiste zudem einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag: Schnelle Versorgungszeiten in der Präklinik führen zu verminderten Folgekosten und oft zu einer schnelleren Wiedereingliederung in das Arbeitsleben.

Die vorgesehenen Regelungen stehen für die Organisationen zudem in einem eklatanten Widerspruch zu den Zielen der geplanten Reform der Notfallversorgung: Eine leistungsfähige und flächendeckende Luftrettung als wichtige Säule der Notfallversorgung lasse sich unter diesen Finanzierungsbedingungen nicht mehr sicherstellen. Umso gravierender, da gleichzeitig die bereits stattfindenden und noch zu erwartenden Veränderungen der Kliniklandschaft den Bedarf an so genannten Sekundärtransporten von Klinik zu Klinik erhöhen werden – die oft mit Intensivtransporthubschraubern durchgeführt werden.

ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung fordern daher dringend eine Anpassung des Referentenentwurfs. Die besondere Rolle und die spezifischen Anforderungen der Notfallrettung aus der Luft müssten im Gesetz berücksichtigt werden, um die Versorgung der Bevölkerung auch künftig sicherstellen zu können. Daher müsse zwingend ein Ausnahmetatbestand für die geplanten Neuregelungen des § 71 SGB V und des § 133 SGB V geschaffen werden, damit auch zukünftige nicht vorhersehbare und nicht beeinflussbare Kostensteigerungen, wie beispielsweise die aktuell steigenden Kraftstoffpreise durch internationale Krisen, in der Luftrettung ausgeglichen werden können.

Die zivile Luftrettung in Deutschland wird überwiegend durch gemeinnützige Organisationen getragen. Dies unterscheidet die Luftrettung von vielen anderen Versorgungsbereichen im Gesundheitswesen. Im vergangenen Jahr wurden die drei Luftrettungsorganisationen zu insgesamt rund 90.000 Notfalleinsätzen alarmiert.

23.03.2026

Healthcare Forum gegen den Herztod

Täglich erleiden in Deutschland rund 370 Menschen einen Herzstillstand außerhalb der Klinik. Das sind über 135.000 Fälle im Jahr – nur elf Prozent überleben. Der professionelle Umgang mit solchen Notfällen entscheidet zwischen Leben und Tod. Die ADAC HEMS Academy richtet gemeinsam mit der weltweit renommierten American Heart Association (AHA) am Freitag, 27. März, das AHA Healthcare Forum aus. Auf dem ADAC Luftrettung Campus in Oberpfaffenhofen bei München diskutieren etwa 200 Spezialistinnen und Spezialisten aus Notfallmedizin, Wissenschaft und Einsatzpraxis die neuen AHA-Leitlinien für Reanimation und kardiovaskuläre Notfallversorgung.

Erste Konferenz dieser Art im deutschsprachigen Raum

Der Campus wird damit zur zentralen Plattform für den fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Reanimationsforschung. „Wir sind stolz darauf, dass uns die American Heart Association als Ausrichter des ersten Forums dieser Art im deutschsprachigen Raum ausgewählt hat. Das zeugt von einem hohen Vertrauen in unsere Arbeit“, sagte Matthias Ruppert, Geschäftsführer der ADAC HEMS Academy.

Neue Leitlinien und ihre Konsequenzen für die Praxis

Die American Heart Association ist die weltweit bedeutendste und älteste gemeinnützige Organisation, die sich der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen widmet. Seit ihrer Gründung hat die AHA in den Bereichen Forschung und Innovation rund sechs Milliarden Dollar investiert. Die Organisation gilt global als die wichtigste Referenz für Reanimationsleitlinien. Ungefähr 80 Prozent der weltweit angebotenen Reanimationskurse basieren auf den Guidelines und Konzepten der AHA.

Um den neuen Erkenntnissen der Forschung Rechnung zu tragen und dabei die Lebensrettungspraxis voranzubringen, veröffentlicht die AHA in der Regel alle fünf Jahre aktualisierte Leitlinien für Reanimation und kardiovaskuläre Notfallversorgung. Die „2025 Guidelines for CPR & ECC“ bringen Neuerungen für die praktische Umsetzung in Klinik, Präklinik und Ausbildung. Im Rahmen des Healthcare Forums in Oberpfaffenhofen erläutern medizinische Expertinnen und Experten aus den USA, die an der Entwicklung der aktuellen Leitlinien mitgewirkt haben, die wissenschaftlichen Hintergründe und die konkreten Konsequenzen für Ausbildungscurricula, klinische Abläufe und Rettungsdienststrukturen.

Relevanz für die Luftrettung

Bei der ADAC Luftrettung werden täglich zwei Erwachsene und ein Kind pro Woche erfolgreich wiederbelebt. Im Jahr 2025 waren knapp 26 Prozent der rund 49.000 Einsätze der fliegenden gelben Engel auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Diese Art von Notfällen prägt die Arbeit der ADAC Luftrettung. Die Qualität der Reanimationsmaßnahmen kann über Leben und Tod oder die Schwere der davongetragenen Schäden der Patientinnen und Patienten entscheiden. Vor diesem Hintergrund kommt der konsequenten Umsetzung der aktuellen Leitlinien der AHA in der Luftrettung eine besondere Rolle zu. Gut trainiertes medizinisches Personal, das mit Handlungssicherheit auf der Höhe der aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien agiert, sorgt für höhere Überlebenschancen der Erkrankten.

Von Basiswiederbelebung bis erweiterte Reanimationsmaßnahmen

Das Forum bietet Vorträge zu einem breiten Spektrum der Reanimation und kardiovaskulären Versorgung. Im Fokus stehen die wesentlichen Änderungen im Bereich der Basiswiederbelebung (BLS) wie der Herzdruckmassage, die sowohl Laien als auch nicht-medizinisches Personal betreffen. Internationale Koryphäen, wie der Notfallmediziner Dr. Ashis Panchal von der Ohio State University, berichten von den neuesten Entwicklungen bei erweiterten Reanimationsmaßnahmen (ACLS), die für die Arbeit des medizinischen Fachpersonals erheblich sind. Zu diesen erweiterten Maßnahmen gehören unter anderen die Gabe von Medikamenten über Venenzugänge oder die Sicherung der Atemwege, etwa durch Intubation.

Bedeutung für Trainingszentren und darüber hinaus

Die Trainingscenter, welche von der AHA autorisiert und damit berechtigt sind, anerkannte Kurse in der Notfallmedizin durchzuführen und international gültige Zertifikate auszustellen, erhalten im Rahmen des Forums eine Einordnung der neuen Guidelines. Sie sind das erste Glied in der Ausbildungskette, in der die neuesten Erkenntnisse Anwendung finden. Eine wichtige Neuerung der aktuellen Reanimationsleitlinien betrifft zum Beispiel den Umgang mit anhaltenden Herzrhythmusstörungen während eines Herzstillstands. Wenn Kammerflimmern trotz mehrerer Defibrillationsversuche bestehen bleibt, können künftig alternative Strategien eingesetzt werden. Dazu gehört etwa eine veränderte Position der Elektroden oder – in spezialisierten Teams – die sogenannte doppelte sequenzielle Defibrillation. Dabei werden zwei Defibrillatoren eingesetzt, die ihre Schocks annähernd gleichzeitig abgeben, um die Erfolgschance bei therapieresistentem Kammerflimmern zu erhöhen.

„Evidenzbasierte Leitlinien entfalten ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn sie in qualitativ hochwertiges Training und konsequente Umsetzung in der Versorgung übersetzt werden“, erklärte Philipp Lex, Head of Medical Training bei der ADAC HEMS Academy. „Als Trainingsorganisation der ADAC Luftrettung ist es unser Anspruch, Wissenschaft, Simulation und Versorgungspraxis über Berufsgruppen und Landesgrenzen hinweg miteinander zu verbinden. Professionelles Training sichert Menschenleben.“

ADAC HEMS Academy

Die ADAC HEMS Academy ist ein international ausgerichtetes Trainingszentrum für Personal in der Luftrettung (engl. HEMS – Helicopter Emergency Medical Service) sowie aus allen weiteren Bereichen der Hubschrauber-Luftfahrt, der Notfall- und Akutmedizin, des Rettungsdienstes und anderer Bereiche der Gefahrenabwehr. Sie ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der gemeinnützigen ADAC Luftrettung und seit 2025 am ADAC Luftrettung Campus auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bei München beheimatet.

Auf rund 16.000 Quadratmetern vereint der Campus Flugbetrieb, Medizin, Technik, Entwicklung, Ausbildung und Simulation unter einem Dach. Diese enge Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, Training und realer Einsatzpraxis macht den Campus zu einem passenden Ort für die erste Konferenz dieser Art im deutschsprachigen Raum.

23.03.2026

Beyond Boundaries: AirMed World Congress 2026 setzt neue Maßstäbe

Von Nordamerika bis Neuseeland: 120 Referierende aus sechs Kontinenten

Das Programm des AirMed World Congress 2026 setzt neue Maßstäbe. Noch nie in seiner 46-jährigen Geschichte war das Programm breiter, tiefer und mit rund 120 Referentinnen und Referenten aus sechs Kontinenten internationaler. Vom 16. bis 18. September 2026 erwarten die rund 800 Teilnehmenden in München über 160 Vorträge, 85 Workshops und 15 Panel-Diskussionen – verteilt auf zwei Veranstaltungsorte. Der weltweit führende Kongress für Luftrettung und Ambulanzflug wird von der gemeinnützigen ADAC Luftrettung in Zusammenarbeit mit der EHAC (European HEMS and Air Ambulance Committee) ausgerichtet. Die Veranstaltung bringt Ärztinnen und Ärzte, Rettungsfachkräfte, Pflegepersonal, Pilotinnen und Piloten, technisches Personal, Manager, Industriepartner und Behördenvertreter zusammen, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen und damit die Zukunft der Luftrettung voranzutreiben.

Das Programm des Kongresses unter dem Motto „Beyond Boundaries: Cross-Competence Enhancement of Aeromedical Services“ teilt sich in drei Schwerpunkte auf – Flugbetrieb, Medizin und Management. Im Bereich Flugbetrieb ist die AirMed 2026 der Kongress, der sich den aktuellen Themen der Luftfahrt stellt. Von Allwetter-HEMS (Helicopter Emergency Medical Services), Drohnenintegration, über Sicherheitskultur und Katastrophenschutz, bis zu eVTOLs (Electrical Vertical Take-Off and Landing Aircraft).

Die flugbetrieblichen Sessions aus Vorträgen und Workshops bieten ein hochkarätiges Umfeld mit Referentinnen und Referenten, die Unternehmen und Organisationen wie beispielsweise Airbus, EASA, FAA, REGA, Bell Helicopter, DLR, AMREF vertreten. Darunter die Präsidentin und CEO der Association of Air Medical Services in Washington, Jana Williams. Unter dem Vortragstitel „What Level of Safety is Safe?“ beleuchtet die Expertin das zentrale Sicherheitsdilemma der Luftrettung. Wann ist ein Einsatz trotz der Risiken für Crew und Patient vertretbar und wann nicht?

Der Themenbereich Medizin widmet sich den klinischen und operativen Grundlagen moderner Luftrettung. Im Mittelpunkt stehen die Prinzipien der medizinischen Versorgung während des Lufttransports, die Auswahl geeigneter Ausrüstung für die präklinische Notfallversorgung sowie die Rekrutierung und Ausbildung medizinischen Fachpersonals. Zudem wird erklärt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse den Weg von der Forschung über Leitlinien bis in die operative Praxis von HEMS und Ambulanzflug finden und wo dabei Lücken entstehen.

Verschiedene Perspektiven auf Versorgungsqualität sowie die umfassende Integration von Luftrettung in die weltweit unterschiedlichen Gesundheitssysteme runden den medizinischen Programmbereich ab. Wie weit die präklinische Medizin dabei reicht, zeigt exemplarisch Dr. Dinis dos Reis Miranda, Anästhesist-Intensivmediziner und ECMO-Direktor am Erasmus Medical Centre in Rotterdam. Er präsentiert die Ergebnisse der niederländischen eCPR-Studie. Dabei geht es um ein Verfahren, bei dem eine Herz-Lungen-Maschine bereits am Einsatzort eingesetzt wird, um Patienten nach einem Herzstillstand zu stabilisieren.

Das Themenfeld Management richtet sich an Führungskräfte, Entscheiderinnen sowie Entscheider in der Luftrettung und im Ambulanzflug. Es geht um die international unterschiedlichen organisatorischen Strukturen bei der Bereitstellung von HEMS- und Ambulanzflugdiensten sowie die Prinzipien sogenannter High Reliability Organisations. Sprich Organisationen, die trotz hoher Komplexität und Risiken konstant sicher und zuverlässig arbeiten. Weitere Themen sind die ideale Gestaltung eines HEMS-Stützpunkts, Überlegungen zu Einsatzprofilen und Crew-Zusammensetzungen sowie betriebliches Kontinuitätsmanagement im Kontext öffentlicher Daseinsvorsorge.

Ergänzt wird das Management-Programm durch eine kritische Auseinandersetzung mit Finanzierungsmodellen und ihren Besonderheiten. Wie weitreichend diese Fragen sind, verdeutlicht David Waters, CEO von Health Standards Aotearoa aus Neuseeland. Er stellt in seiner Session die Qualitätskontrolle aus der Perspektive einer nationalen Aufsichtsbehörde dar und beantwortet damit die Frage, wie staatliche Stellen Qualitätsstandards in der Luftrettung definieren und durchsetzen können.

Zwischen BERGSON Kunstkraftwerk und ADAC Luftrettung Campus

Eine Besonderheit des diesjährigen Kongresses ist die Möglichkeit, die Vorteile von gleich zwei verschiedenen Veranstaltungsorten zu nutzen. In den Räumlichkeiten des BERGSON Kunstkraftwerks in München finden vor allem Vorträge und Diskussionen statt.

Am zweiten Kongressort, dem neu eröffneten ADAC Luftrettung Campus in Oberpfaffenhofen bei München, liegt der Fokus auf dem Praxisbezug. Die dortige, in Europa einmalige, Infrastruktur erlaubt es, Notfalleinsätze zu simulieren oder andere spezifische Trainingsszenarien zu zeigen. Für inhaltliche Tiefe sorgt dabei die außergewöhnlich internationale Besetzung. Die rund 120 Referentinnen und Referenten kommen aus Asien, Nord- und Südamerika, Europa, Afrika und Australien.

Bild des Ausbildungscampus der ADAC Luftrettung. Ein hochmodernes Luftrettungszentrum für Ground Operations, Flugbetrieb, Medizin, Technik, Forschung und Ausbildung & Training

Über das dreitägige Hauptprogramm hinaus können Teilnehmende am Samstag, 19. September 2026, aus einem breiten Zusatzangebot buchbarer Workshops wählen. Darunter Crew Resource Management für Führungskräfte, Refresher-Kurse in Advanced Cardiac Life Support und Pediatric Advanced Life Support sowie praxisnahe Missionssimulationen für die Notfallversorgung im HEMS-Umfeld und bei Intensivtransporten. Als besonderes Highlight lädt eine Exkursion ins ADAC Crashtest-Zentrum in Landsberg am Lech dazu ein, aktuelle Entwicklungen in der Automobiltechnologie und ihre Konsequenzen für die technische Rettung und Notfallversorgung unmittelbar zu erleben.

Dr. Matthias Ruppert, Mitglied des Organisationsteams und Geschäftsführer Medizin der ADAC HEMS Academy, unterstreicht die Einzigartigkeit des Kongresses: „Beyond Boundaries ist kein Slogan, sondern ein Versprechen, das sich im Programm widerspiegelt. Wenn Expertinnen und Experten aus sechs Kontinenten zusammenkommen, um voneinander zu lernen und sich auszutauschen, passiert genau das – Grenzen werden fachlich, geografisch und kulturell überwunden.“

Rund 30 Aussteller aus Luftfahrtindustrie und Medizintechnik zeigen innovative Produkte

Der AirMed World Congress 2026 bietet auch Unternehmen und Industriepartnern eine Bühne. Rund 30 Aussteller aus den Bereichen Luftfahrt und Medizintechnik haben bereits zugesagt. Von Seilwinden, über medizinische Innenausstattungssysteme für Helikopter bis zu Einsatzbekleidung wird ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen zu sehen sein.

Noch bis Ende März profitieren Interessierte von vergünstigten Early-Bird-Tickets sowie von speziell ausgehandelten Hotelraten. Eine frühzeitige Hotelreservierung wird dringend empfohlen, da aufgrund des an den Kongress anschließenden Oktoberfests die Raten steigen könnten. Tickets, weitere Informationen sowie aktuelle Newsletter gibt es unter:

www.airmed2026.com