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Eine Wanderung oder ein Ausflug ins Grüne ist gut für Körper und Geist. Doch auch draußen kann ein Notfall entstehen, oft durch vermeidbare Fehler: zu viel Belastung, zu wenig Wasser, der Abstieg zu spät.

Jens Schwietring, Leiter Medizin der ADAC Luftrettung, hat die zehn wichtigsten medizinischen Hinweise zusammengestellt, damit Sie gut vorbereitet starten.

Jens Schwietring, Leiter Medizin der ADAC Luftrettung

  1. Belastung realistisch einschätzen und die eigene Herzfrequenz kennen
    Steile Anstiege treiben die Herzfrequenz schnell in Bereiche, die für untrainierte oder vorerkrankte Menschen kritisch werden können. Wer seine maximale Herzfrequenz kennt (Faustregel: 220 minus Lebensalter), kann die eigene Belastung aktiv steuern. Das gilt sowohl in der Vorbereitung auf eine Tour als auch während der Wanderung selbst: Belastungen sollten schrittweise gesteigert und konsequent am individuellen Trainingszustand ausgerichtet werden. Moderne Wearables wie Fitness-Uhren oder Herzfrequenzmesser unterstützen dabei, Belastungsgrenzen frühzeitig zu erkennen und einzuhalten. Ein solches Gerät ist beim Bergwandern kein Luxus, sondern ein sinnvolles Hilfsmittel. 
  2. Ausreichend trinken und die richtige Menge kennen 
    Bei körperlicher Anstrengung und Wärme beträgt der Flüssigkeitsbedarf 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. Flüssigkeitsmangel senkt die Leistungsfähigkeit bereits ab einem Verlust von 2 % des Körpergewichts messbar, ab 5 % drohen schwere Kreislaufprobleme. Geeignet sind Wasser oder isotone Getränke; zuckerreiche Sportgetränke verlangsamen die Magenentleerung und können Übelkeit fördern.
  3. Hitze ernst nehmen: Hitzschlag erkennen und richtig handeln 
    Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit einer Körperkerntemperatur über 40 °C, der ohne sofortige Kühlung zu Organversagen führen kann. Kennzeichen sind heiße, trockene Haut, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. Betroffene sofort in den Schatten bringen, Kleidung öffnen, mit kühlem Wasser benetzen und unverzüglich den Notruf wählen.
  4. Warnsignale nicht ignorieren: besonders Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen 
    Brustenge, ausstrahlende Schmerzen in Arm oder Kiefer sowie plötzlicher Herzrasen sind mögliche Anzeichen eines kardialen Ereignisses. In diesen Fällen gilt: sofort anhalten, hinsetzen, Notruf absetzen. Kein Abwarten, keine Selbstmedikation, kein Weitergehversuch. Auch Schwindel und ungewöhnliche Erschöpfung können frühe Zeichen einer Kreislaufdekompensation sein.
  5. Vorerkrankungen berücksichtigen und Medikamente richtig einplanen 
    Betablocker begrenzen die maximale Herzfrequenz, sodass die übliche Belastungsformel nicht mehr gilt. Diabetiker müssen den erhöhten Glukoseverbrauch einplanen und Messgerät sowie ausreichend Kohlenhydrate mitführen. Menschen mit Bluthochdruck sollten wissen, wie ihre Medikamente unter körperlicher Belastung wirken, und das gegebenenfalls mit dem behandelnden Arzt besprechen.
  6. Abstiege nicht unterschätzen: Stürze passieren in der zweiten Tourhälfte 
    Beim Abstieg arbeitet die Muskulatur exzentrisch und ermüdet schneller als beim Aufstieg. Die meisten schweren Wanderunfälle, darunter Stürze, Knochenbrüche und Schädel-Hirn-Traumata, ereignen sich in der zweiten Tourhälfte. Stöcke reduzieren die Kniebelastung beim Abstieg um bis zu 25 %. Wer merkt, dass Reaktionsfähigkeit und Konzentration nachlassen, sollte pausieren.
  7. Wetterrisiken kennen, bergig wie flach
    Wetterbedingte Risiken betreffen nicht nur das Gebirge, sondern jedes topografische Profil. Unterkühlung ist auch bei moderaten Temperaturen im Flachland möglich, wenn Wind und Nässe hinzukommen. Der Windchill-Effekt kann die gefühlte Temperatur um bis zu 10 °C senken. Höhenbedingte Erschöpfung ab ca. 2.500 m entsteht durch reduzierten Sauerstoffpartialdruck und beeinträchtigt Urteilsvermögen und Reaktion, auch bei körperlich fitten Menschen. Zeitpuffer für Wetterveränderungen gehören zur Tourenplanung im Wald, auf Feldwegen und am Berg gleichermaßen.
  8. Realistisch planen: Tour, Ausrüstung und Logistik an den eigenen Fähigkeiten ausrichten
    Eine der häufigsten Ursachen für Notfälle im Gelände ist schlichte Fehlplanung. Schwierigkeitsgrad, Streckenprofil und Distanz müssen ehrlich an den eigenen körperlichen Fähigkeiten ausgerichtet werden. Dazu gehört auch die richtige Kleidung für Wetter und Gelände sowie eine durchdachte Ausrüstung: Wasser, Nahrung, Erste-Hilfe-Material, Karte, Licht und Kommunikationsmittel. Wer allein unterwegs ist, sollte Route und geplante Rückkehrzeit einer Person im Tal mitteilen. Moderne GPS-Tracker mit Notruftaste ermöglichen auch außerhalb des Mobilfunknetzes eine Alarmierung. Die schnelle Verfügbarkeit eines Hubschraubers in unwegsamem Gelände kann dabei über Leben und Tod entscheiden.
  9. Standort präzise übermitteln: GPS-Koordinaten retten Leben 
    Bei einem Notruf aus dem Gelände ist die Ortsangabe oft entscheidend für die Rettungszeit. GPS-Koordinaten, abrufbar über jedes Smartphone, ermöglichen der Rettungsleitstelle die präzise Einweisung des Hubschraubers. Per Notruf-App (z. B. nora) oder SMS lassen sich Koordinaten direkt übermitteln. Deutschland führt derzeit den europaweiten AML-Standard zur automatischen Standortübermittlung beim Notruf ein. 
  10. Frühzeitig Hilfe holen: der Notruf ist kein letztes Mittel 
    In der Notfallmedizin gilt: Jede Minute zählt. Bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Reanimation um etwa 10 % pro Minute. Der Rettungshubschrauber kann in vielen Regionen innerhalb von 10 bis 15 Minuten vor Ort sein, aber nur, wenn der Notruf rechtzeitig abgesetzt wird. Notruf: 112 (EU-weit). Nicht abwarten, bis sich die Situation von selbst bessert.  

 

Unsere Besatzungen sind einsatzbereit für alle, die im Notfall Hilfe brauchen. Damit das auch in Zukunft so bleibt, sind wir auf Unterstützung angewiesen. 

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