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23.03.2026

Healthcare Forum gegen den Herztod

Täglich erleiden in Deutschland rund 370 Menschen einen Herzstillstand außerhalb der Klinik. Das sind über 135.000 Fälle im Jahr – nur elf Prozent überleben. Der professionelle Umgang mit solchen Notfällen entscheidet zwischen Leben und Tod. Die ADAC HEMS Academy richtet gemeinsam mit der weltweit renommierten American Heart Association (AHA) am Freitag, 27. März, das AHA Healthcare Forum aus. Auf dem ADAC Luftrettung Campus in Oberpfaffenhofen bei München diskutieren etwa 200 Spezialistinnen und Spezialisten aus Notfallmedizin, Wissenschaft und Einsatzpraxis die neuen AHA-Leitlinien für Reanimation und kardiovaskuläre Notfallversorgung.

Erste Konferenz dieser Art im deutschsprachigen Raum

Der Campus wird damit zur zentralen Plattform für den fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Reanimationsforschung. „Wir sind stolz darauf, dass uns die American Heart Association als Ausrichter des ersten Forums dieser Art im deutschsprachigen Raum ausgewählt hat. Das zeugt von einem hohen Vertrauen in unsere Arbeit“, sagte Matthias Ruppert, Geschäftsführer der ADAC HEMS Academy.

Neue Leitlinien und ihre Konsequenzen für die Praxis

Die American Heart Association ist die weltweit bedeutendste und älteste gemeinnützige Organisation, die sich der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen widmet. Seit ihrer Gründung hat die AHA in den Bereichen Forschung und Innovation rund sechs Milliarden Dollar investiert. Die Organisation gilt global als die wichtigste Referenz für Reanimationsleitlinien. Ungefähr 80 Prozent der weltweit angebotenen Reanimationskurse basieren auf den Guidelines und Konzepten der AHA.

Um den neuen Erkenntnissen der Forschung Rechnung zu tragen und dabei die Lebensrettungspraxis voranzubringen, veröffentlicht die AHA in der Regel alle fünf Jahre aktualisierte Leitlinien für Reanimation und kardiovaskuläre Notfallversorgung. Die „2025 Guidelines for CPR & ECC“ bringen Neuerungen für die praktische Umsetzung in Klinik, Präklinik und Ausbildung. Im Rahmen des Healthcare Forums in Oberpfaffenhofen erläutern medizinische Expertinnen und Experten aus den USA, die an der Entwicklung der aktuellen Leitlinien mitgewirkt haben, die wissenschaftlichen Hintergründe und die konkreten Konsequenzen für Ausbildungscurricula, klinische Abläufe und Rettungsdienststrukturen.

Relevanz für die Luftrettung

Bei der ADAC Luftrettung werden täglich zwei Erwachsene und ein Kind pro Woche erfolgreich wiederbelebt. Im Jahr 2025 waren knapp 26 Prozent der rund 49.000 Einsätze der fliegenden gelben Engel auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Diese Art von Notfällen prägt die Arbeit der ADAC Luftrettung. Die Qualität der Reanimationsmaßnahmen kann über Leben und Tod oder die Schwere der davongetragenen Schäden der Patientinnen und Patienten entscheiden. Vor diesem Hintergrund kommt der konsequenten Umsetzung der aktuellen Leitlinien der AHA in der Luftrettung eine besondere Rolle zu. Gut trainiertes medizinisches Personal, das mit Handlungssicherheit auf der Höhe der aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien agiert, sorgt für höhere Überlebenschancen der Erkrankten.

Von Basiswiederbelebung bis erweiterte Reanimationsmaßnahmen

Das Forum bietet Vorträge zu einem breiten Spektrum der Reanimation und kardiovaskulären Versorgung. Im Fokus stehen die wesentlichen Änderungen im Bereich der Basiswiederbelebung (BLS) wie der Herzdruckmassage, die sowohl Laien als auch nicht-medizinisches Personal betreffen. Internationale Koryphäen, wie der Notfallmediziner Dr. Ashis Panchal von der Ohio State University, berichten von den neuesten Entwicklungen bei erweiterten Reanimationsmaßnahmen (ACLS), die für die Arbeit des medizinischen Fachpersonals erheblich sind. Zu diesen erweiterten Maßnahmen gehören unter anderen die Gabe von Medikamenten über Venenzugänge oder die Sicherung der Atemwege, etwa durch Intubation.

Bedeutung für Trainingszentren und darüber hinaus

Die Trainingscenter, welche von der AHA autorisiert und damit berechtigt sind, anerkannte Kurse in der Notfallmedizin durchzuführen und international gültige Zertifikate auszustellen, erhalten im Rahmen des Forums eine Einordnung der neuen Guidelines. Sie sind das erste Glied in der Ausbildungskette, in der die neuesten Erkenntnisse Anwendung finden. Eine wichtige Neuerung der aktuellen Reanimationsleitlinien betrifft zum Beispiel den Umgang mit anhaltenden Herzrhythmusstörungen während eines Herzstillstands. Wenn Kammerflimmern trotz mehrerer Defibrillationsversuche bestehen bleibt, können künftig alternative Strategien eingesetzt werden. Dazu gehört etwa eine veränderte Position der Elektroden oder – in spezialisierten Teams – die sogenannte doppelte sequenzielle Defibrillation. Dabei werden zwei Defibrillatoren eingesetzt, die ihre Schocks annähernd gleichzeitig abgeben, um die Erfolgschance bei therapieresistentem Kammerflimmern zu erhöhen.

„Evidenzbasierte Leitlinien entfalten ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn sie in qualitativ hochwertiges Training und konsequente Umsetzung in der Versorgung übersetzt werden“, erklärte Philipp Lex, Head of Medical Training bei der ADAC HEMS Academy. „Als Trainingsorganisation der ADAC Luftrettung ist es unser Anspruch, Wissenschaft, Simulation und Versorgungspraxis über Berufsgruppen und Landesgrenzen hinweg miteinander zu verbinden. Professionelles Training sichert Menschenleben.“

ADAC HEMS Academy

Die ADAC HEMS Academy ist ein international ausgerichtetes Trainingszentrum für Personal in der Luftrettung (engl. HEMS – Helicopter Emergency Medical Service) sowie aus allen weiteren Bereichen der Hubschrauber-Luftfahrt, der Notfall- und Akutmedizin, des Rettungsdienstes und anderer Bereiche der Gefahrenabwehr. Sie ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der gemeinnützigen ADAC Luftrettung und seit 2025 am ADAC Luftrettung Campus auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bei München beheimatet.

Auf rund 16.000 Quadratmetern vereint der Campus Flugbetrieb, Medizin, Technik, Entwicklung, Ausbildung und Simulation unter einem Dach. Diese enge Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, Training und realer Einsatzpraxis macht den Campus zu einem passenden Ort für die erste Konferenz dieser Art im deutschsprachigen Raum.